03.08.2021 – Der Teileträger

Neulich meldete sich mein Freund Marco aus Luxemburg, er habe da ein Lancia Gamma Coupé bei einem bekannten Händler gefunden, dass dort nur im Wege stände und weg müsse. Es sei für 1500€ inseriert und wäre möglicherweise der perfekte Teleträger für mein Gamma Coupé-Projekt. Er hatte vollkommen recht. Einer der >Gründe, warum ich mich bisher nicht dazu entschließen konnte, den Wagen wieder auf die Straße zu bringen, war die schwierige Teileversorgung, bei nur rund 2500 gebauten Exemplaren und dem fehlenden Engagement des Herstellers keine Überraschung. Also habe ich ihn gebeten, sich den Wagen einmal näher anzuschauen.

Die Bilder, die er mir dann schickte, sahen vielversprechend aus. Der Wagen war vollständig und kritische teile wie die Leuchten, die Gläser und sogar die Innenausstattung, in der gleichen Farbe wie bei meinem, alleine rechtfertigten, sich den Wagen zu holen. Da Marco den Preis schon auf 1000€ heruntergehandelt hatte, war klar, der wird gekauft.

Also habe ich mir mal wieder einen Transportanhänger gemietet und bin mit Rainer bis ins luxemburgisch-französisch-belgische Dreieck bei St. Martin gefahren, habe ihn aufgeladen und dann quer durch die Eifel nach Linz gebracht. Der BMW E61 hat sich als überraschend genügsames Zugfahrzeug gezeigt, mit knapp zwei Tonnen Gewicht am Haken und über die Eifelautobahn mit ihren starken Steigungen verbrauchte er rund 11 Liter auf 100km.

Aufladen …
In Luxemburg nachtanken für die Tour durch die Eifel.

In Linz stand dann erst einmal eine Grundreinigung an. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich die Garage, in der mein Gamma seit rund 220 Jahren ruht, geöffnet, mit der bangen Erwartung, dass sich der Rost groß über das Auto ausgebreitet hat. Tatsächlich war er nur sehr schmutzig, sonst sah er noch gen also aus, wie ich ihn damals geparkt habe. Die Wiederbelebung wird sich folglich auch die Überarbeitung der Technik (Bremsen, Bremsleitungen, Kühlwasserschläuche, Benzinleitung, Zylinderkopfdichtung etc) beschränken. Nur die Außenschweller sollten auch ersetzt werden, da sie keine Durchrostungen haben, und hier und da muss aufpoliert und wegen kleinerer Kratzer nachlackiert werden. Das ist machbar.

Das kritische Thema ist ja der Motor mit seinen Besonderheiten. Aber ich habe nun drei davon auf Lager, einen mit rund 90.000km Laufleistung, da werde ich wohl zwei gute draus machen können.

Der Teileträger wird zerlegt, die Teile werden aufgearbeitet und, fass sie besser sind als bei meinen, dir eingearbeitet. Aus der Lancia-Gamma-Szene sind auch schon Anfragen eingetroffen, das investierte Geld werde ich sicher mehrfach wieder reinbekommen – wenn man bedenkt dass die Windschutzscheibe schon vor 25 Jahren um 1600 Euro gekostet hat.

Die Geschichte meines Gamma Coupés

Nachdem der Pininfarina Spider Volumex, den ich mir Anfang 1986 gegönnt hatte, schon bei Nässe ein recht herausforderndes Fahrverhalten zeigte und ich immer noch regelmäßig nach München pendeln musste, war klar: Ich brauche ein Winterauto.

Eigentlich war ich ja auf der Suche nach einen Fahrzeug in der 2000DM-Klasse, aber da stand dieses Lancia Gamma Coupé mit nur 40.000km Lauflistung beim Fiat-Händler in Neuwied. Wie hätte ich da widerstehen können. Zudem hatte der Lancia ja sogar Frontantrieb, er war somit also ideal für den Winterbetrieb. Dazu kam, dass es ein Auto aus der zweiten Serie war, die bekannten Motorprobleme sollten da gelöst sein. Einziger Nachteil: statt den geplanten 2000DM waren nur 14.000DM fällig. Das hat zwar mein Sparschein deutlich magerer werden lassen, dafür hatte ich aber den nächsten Exoten und den zweiten Pininfarina.

So einiges musste doch noch gemacht werden: Ein Radio fehlt, die Verkabelung musste an die Hirschmann-Automatik-Antenne angepasst werden und rechter Aussenspiegel kam auch noch hinzu.

Ich habe den Wagen schließlich zwei Jahre lang täglich benutzt. Da mein Fahrzeug aber wie viele anderen an den typischen Lancia-Gamma-Fehlern leidete, zu niedriger Öldruck-trotz verbessertem Motor, einlaufende Nockenwellen, leichte Korrision, hängende Türen, verschliessene Polster, habe ich ihn nur noch selten genutzt und 11.8.1999 mit 139.000km Laufleistung in der Garage abgestellt – und dort nun über 20 Jahre stehen lassen. Die wachsende mechanische Instabilität und der Wunsch, wieder ein offenes Auto für den Alltag zu haben, führten nämlich dazu, dass die Flotte1988 um ein BMW E30 320i Cabrio ergänzt wurde – ein Muster an Zuverlässigkeit, wie sich über die Jahre zeigte.

Jetzt soll es an die Wiederbelebung gehen!